Ich werde oft wegen meiner offen ablehnenden Haltung gegenüber Flash gefragt, was ich denn konkret so schlecht daran finde. Oft weiß ich dann nicht recht zu antworten, nicht etwa weil ich es nicht wüsste, sondern einfach weil ich mir noch nie Gedanken gemacht habe, wie ich das Anderen erklären könnte. Darum möchte ich es hier mal niederschreiben, auch wenn es im Web wahrscheinlich schon sehr viele solcher Argumentationen gibt.
Meine Argumente lassen sich grob in drei Bereiche einteilen, Usability, Accessibility und Sicherheit, von denen die Usability (Benutzerfreundlichkeit, Ergonomie) wohl den Größten darstellt.
Usability
Es gibt Menschen, die den Rechner zeitweise lieber mit der Tastatur als mit der Maus bedienen. Flash “schluckt” aber sämtliche Tastendrücke. Eine Tastaturbedienung des Browsers wird dann unmöglich.
Links in Flash-Inhalten lassen sich nicht in neuen Fenstern oder Tabs öffnen. (z.B. Klick mit mittlerer Maustaste)
Das Verweisen auf Inhalte in Flash-Webseiten ist oft unmöglich. Verweise sind aber eine der grundlegenden Ideen hinter dem Web.
Flash-Seiten hebeln meist auch die vor- und zurück-Funktion (sowie aktualisieren und evtl. andere) des Browsers aus oder machen diese zumindest unbrauchbar.
Das Kopieren von Text, Links und Bildern aus Flash-Inhalten ist meist nicht möglich. Manchmal ist das ausdrücklich nicht erwünscht, aber wer nicht will dass auf seine Inhalte nicht verwiesen werden kann, sollte sie lieber nicht ins Web stellen.
Ist Flash nicht vorhanden, wird der komplette Inhalt nicht angezeigt. Web-Designer rechnen mit Verfügbarkeitsraten und in der tat ist Flash heutzutage vermutlich auf der Mehrzahl der Rechner vorhanden. Doch beißt sich diese Katze in den Schwanz, denn Microsoft Windows z.B. kommt normalerweise nicht mit vorinstalliertem Flash daher. Das bedeutet das Flash deswegen vorhanden ist, weil es der Benutzer schon für irgendeine Website installiert hat.
Dazu kommt, dass Flash nur auf einer eingeschränkten Zahl Plattformen verfügbar ist. Probleme machen exotische Betriebssysteme aber auch im Jahr 2010 hat Adobe 64-Bit-Systeme noch nicht im Griff. Seit der Version 10 unterstützt Flash endlich auch 64-Bit-Systeme.
Accessibility
Der zweite Block ist die sog. Accessibility. Diese betrifft im Verhältnis zwar nur einen kleinen Teil der Surfer, doch ist er sehr wichtig, da die folgenden Punkte besonders diskriminierend wirken. Denn Accessibility bedeutet Barrierefreiheit bei der Benutzung für Menschen unabhängig Ihrer körperlichen und technischen Möglichkeiten, also das Zugänglichmachen von Inhalten auch für Behinderte.
Blinde Menschen sind bei der Arbeit am Rechner bspw. auf Braille-Geräte und Bildschirmleser angewiesen. Doch diese funktionieren i.A. nur mit Textinhalten. Das W3C hat sich hierzu Gedanken gemacht, sodass es zum Beispiel möglich ist, Bildern im Web eine textuelle Beschreibung zu geben, die ein Braille-Gerät anzeigen oder eine entsprechende Software vorlesen kann. Braille und Bildschirmleser funktionieren meines Wissens nicht mit Flash.
Des weiteren gibt es Menschen die nicht ohne Probleme mit der Maus umgehen können und auf die Bedienung des Rechners mit der Tastatur angewiesen sind. Wie ich aber weiter oben schon festgestellt habe, machen Flash-Inhalte die Tastaturbedienung unnötig schwer.
Ein zu diesem Thema interessanter Wikipedia-Artikel ist “Barrierefreies Internet“.
Sicherheit
Flash ist eine proprietäre Software, deren Quellcode nicht vom Benutzer eingesehen und zwecks Sicherheitslücken überprüft werden kann. Man muss bedenken, dass Software niemals vollkommen fehlerfrei ist. Somit bringt jede zusätzliche Software im Browser auch extra potentielle Sicherheitslücken (zusätzlich zu denen des Browsers).
Dass Flash ein “Resourcenschwein” ist, auf älteren und leistungsschwächeren Rechnern das Erforschen des WWW unerträglich macht und auch auf modernen Rechnern unverhältnismäßig viel Speicher und Rechenzeit braucht, sei hier nur am Rande erwähnt.
Negativbeispiele
Viele große Unternehmen setzen auf Flash bei der Gestaltung Ihrer Web-Auftritte. Bis vor einigen Jahren konnte man nahezu keine Site der großen deutschen Autohersteller ohne Flash-Plugin nutzen. Heute bleibt immerhin nur noch VW, die keine standardkonforme Alternative anbieten.
Youtube und alle anderen mir bekannten Videoportale nutzen Flash für das Einbetten der Videos.
Die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten setzen extensiv auf Flash. Arte +7 und die ZDF Mediathek sind hier nur zwei Beispiele. Dies ist umso bedenklicher, als dass sie von allen deutschen Haushalten mit Internetzugang eine Gebühr für Ihre Inhalte eintreiben, unabhängig davon, ob man diese nutzen kann oder nicht.
Alternativen
So, genug genörgelt. Jetzt stellt sich doch die Frage, welche Alternativen es gibt. Generell kann ich sagen, dass mir noch kein Auftritt mit dynamischen Inhalten untergekommen ist, den man nicht auch mit Javascript hätte umsetzen können, welches heute in jedem Browser standardmäßig enthalten und ein offener Standard ist.
Für Videoportale gab es bisher noch keine zufriedenstellende Lösung. Doch mit dem Aufkommen von HTML5-kompatiblen Browsern ist auch hier für Abhilfe gesorgt. Mir persönlich wäre auch ein einfacher Link auf die entsprechende Videodatei noch lieber.
Fazit
Mit einem Web ohne Flash wäre die Welt wohl etwas besser dran. Es mag stimmen, dass es die Arbeit von Web-Designern vereinfacht, aber dafür lastet es dem Benutzer unangenehm hohe Hürden auf.
Ich kann nur alle Web-Designer dazu aufrufen, Flash und ähnliche Technologien nicht zu verwenden. Denn die o.g. Argumente gelten i.d.R. natürlich nicht nur für Flash, sondern auch für dessen Konkurrenzprodukte. Dazu zählen etwa Java-Applets und Microsofts Silverlight.